Wenn Ihre Kinder zwischen 1980 und 1999 geboren wurden: Eine von Carl Jung inspirierte psychologische Perspektive, die Ihnen helfen kann, sie besser zu verstehen.
Manche Generationen werden in friedlichen Zeiten geboren, andere in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche. Wenn Ihre Kinder zwischen 1980 und 1999 geboren wurden, wuchsen sie genau an diesem Wendepunkt auf: Die alten Strukturen verloren allmählich an Bedeutung, und die neue Welt entstand gerade.
Diese Position „zwischen zwei Welten“ ist nicht nur eine poetische Metapher. Sie zeigt sich in ihrer Denkweise, ihren Gefühlen, ihrer Sinnsuche und ihrem Hinterfragen dessen, was einst unhinterfragt akzeptiert wurde. Und für viele Eltern kann dies als Rebellion oder Verwirrung gedeutet werden … dabei mag es in Wirklichkeit eine tiefere Sensibilität als üblich sein.
Die Schwellengeneration: Warum sie fühlen, was andere nicht fühlen
An einer Schwelle geboren zu sein bedeutet, mit einem Fuß in jeder Ära zu stehen: vor und nach dem Internet, vor und nach Smartphones, vor und nach der Informationsflut. Deshalb verstehen sie Traditionen, erkennen aber auch deren Schwächen. Sie schätzen die Wissenschaft, geben sich aber nicht mit materiellen Dingen allein zufrieden.
Viele von ihnen nehmen die innere Welt mit größerer Intensität wahr:
Sie stellen sich schon in jungen Jahren existenzielle Fragen.
Sie reagieren empfindlich auf Ungerechtigkeit, Leere und Sinnlosigkeit.
Sie sind beunruhigt von Oberflächlichkeit und dem „Automatischen“.
Sie haben ein echtes Bedürfnis nach Kohärenz, nicht nach Schein.
Diese Sensibilität kann eine enorme Stärke sein… aber auch eine Last, wenn ihnen niemand beibringt, sie zu verstehen.
Das kollektive Unbewusste und wiederkehrende Symbole
Wenn Menschen Krisen durchleben, seltsame Träume haben oder sich unerklärlichen Gefühlen hingeben, tauchen oft wiederkehrende Symbole auf: Wasser, Feuer, Schlangen, Türen, Wüsten, Stürme, Stürze, Aufstiege. Land, Kultur oder Religion spielen dabei keine Rolle.
Die zentrale Idee ist einfach: Die innere Welt kommuniziert durch Bilder. Und wenn jemand ein schnelllebiges äußeres Leben führt, aber eine Seele hat, die nach Tiefe dürstet, werden die Symbole intensiver.
Deshalb berichten viele Erwachsene, die in diesem Zeitraum geboren wurden, von lebhafteren Träumen mit komplexen Geschichten oder starken Empfindungen. Das bedeutet nicht, dass sie „falsch“ sind. Es könnte bedeuten, dass ihre innere Welt nach Aufmerksamkeit verlangt.
Wenn Sensibilität in Schmerz umschlägt: Angst, Leere und Identitätskrise
Hier liegt der entscheidende Punkt: Dieselbe innere Offenheit kann sowohl Licht als auch Leid bedeuten.
Wenn diese Generation nicht versteht, was mit ihr geschieht, kann sie Folgendes erleben:
Angstzustände ohne „logische“ Ursache.
Das Gefühl, nicht dazuzugehören.
Leere, selbst wenn sie „alles haben, was sie brauchen, um glücklich zu sein“.
Depression ist mit einem Mangel an Sinn verbunden.
Spirituelle Erschöpfung, als wären sie von sich selbst entfremdet.
Viele Eltern versuchen, das Problem schnell zu lösen: Sie normalisieren es, fordern Ergebnisse, unterdrücken die Gefühle ihrer Kinder und drängen sie zu einem standardisierten Leben. Doch manchmal brauchen die Kinder nicht Druck, sondern Verständnis und Unterstützung.
Es ist keine Rebellion, sondern spiritueller Hunger.
Gemeinsames Merkmal ist die Sehnsucht nach Wahrheit. Sie wollen keine leeren Phrasen wiederholen. Sinnlose Rituale können sie nicht ertragen. Sie geben sich nicht mit einfachen Antworten auf tiefgründige Fragen zufrieden.
Deshalb erforschen sie:
Tiefenpsychologie und Therapie.
Alternative Spiritualitäten.
Östliche Philosophien.
Mystik und Symbolik.
Kontemplative Praktiken.
Es ist nicht immer ein Verlust des Glaubens. Oft ist es die Suche nach einem reiferen, bewussteren und gelebten Glauben. Einem Glauben, der Fragen zulassen kann, ohne daran zu zerbrechen.
Der Konflikt mit dem digitalen Zeitalter: zu viele Informationen, zu wenig Ruhe. Diese Generation hat gelernt, in einem rasanten Tempo zu leben.
Sie verarbeiten Informationen schnell.
Sie passen sich schnell an.
Sie werden ständig informiert.
Doch die Seele funktioniert nicht in digitaler Geschwindigkeit. Die Reizüberflutung raubt ihr etwas Wesentliches: Stille, Kontemplation, Präsenz. Und ohne diese Freiräume wächst die Angst, der Geist erschöpft sich, und das Leben wird von innen heraus laut.
Deshalb besinnen sich viele wieder auf die Einfachheit: Natur, Pausen, bewusstes Atmen, entschleunigte Tagesabläufe, teilweises Abschalten. Es ist keine Modeerscheinung, sondern ein inneres Bedürfnis.
Der Schatten: Was wir unterdrücken, wird stärker

Ein weiteres zentrales Thema ist der „Schatten“: alles, was ein Mensch an sich selbst verleugnet oder verdrängt (Wut, Zweifel, Sehnsucht, Unsicherheit, Angst, Widersprüche). Wird er jahrelang verborgen, verschwindet er nicht, sondern erzeugt inneren Druck.
Diese Generation ist tendenziell weniger tolerant gegenüber Unterdrückung. Sie sucht nach Authentizität. Sie will sich integrieren, nicht verstecken. Und das kann für rigide Familien unbequem sein, aber es kann auch eine Chance sein: Eine gesündere Spiritualität erfordert keine permanenten Masken.
Wie Sie sie begleiten können, ohne sie zu verlieren: Ihre Rolle als Elternteil
Deine Aufgabe ist es nicht, ihren Weg zu bestimmen oder ihr Schicksal zu kontrollieren. Deine Aufgabe ist es, ihnen einen sicheren Raum zu bieten, während sie zu dem werden, der sie sind.
Manchmal beinhaltet das etwas Schwieriges: sie zu begleiten, ohne zu eilen, ihnen zuzuhören, ohne zu urteilen, sie zu unterstützen, ohne sich aufzudrängen.
Denn wenn sich ein Mensch verstanden fühlt, kann er seinem Leben Ordnung verleihen. Wenn er sich nicht ernst genommen fühlt, verhärtet er sich oder zerbricht innerlich.
Praktische Tipps und Empfehlungen
Nehmt ihre innere Welt ernst.
Wenn sie dir von einem Traum, einer Eingebung oder einer Sorge erzählen, verspotte sie nicht. Frage: „Was hast du gefühlt?“ „Was wollte es dir deiner Meinung nach zeigen?“
Hab keine Angst vor ihren schwierigen Fragen.
Fragen zu stellen ist kein Verrat. Manchmal ist es sogar das deutlichste Zeichen dafür, dass sie nach etwas Echtem suchen.
Hilf ihnen, Räume der Stille zu schaffen.
Nicht als Strafe, sondern als Maßnahme zur mentalen Hygiene: Spaziergänge, Naturerlebnisse, Lesen, bildschirmfreie Zeit, Atemübungen, Gebet oder Meditation, je nach ihren Überzeugungen.
Unterscheide zwischen einer spirituellen Krise und einer bloßen „Lust“.
Wenn tiefes Leid vorliegt, sollte man es nicht verharmlosen. Bieten Sie Unterstützung an und suchen Sie gegebenenfalls ohne Scham professionelle Hilfe.
Versuchen Sie nicht, sie zur „Normalisierung“ zu zwingen.
Der Druck, sich anzupassen, kann zu zwei Extremen führen: einem kompletten Zusammenbruch oder einem Leben, das nach außen hin „korrekt“ erscheint, innerlich aber leer ist.
Seien Sie vorsichtig, wie Sie sie korrigieren. Sie können natürlich Grenzen setzen. Doch Verhalten zu korrigieren ist eine Sache, ihre Identität anzugreifen eine ganz andere.
Unterstütze ihre Berufung, auch wenn sie dir Angst macht. Nicht jede Berufung passt in das traditionelle Schema. Frage: „Wie würdest du sie nachhaltig gestalten?“, anstatt: „Das wird nicht funktionieren.“
Schaffen Sie eine echte Gemeinschaft. Sorgen Sie dafür, dass sie vertrauenswürdige Menschen haben: gesunde Freunde, Raum für Gespräche, Selbsthilfegruppen und sinnvolle Aktivitäten. Einsamkeit verstärkt die Schattenseiten.
Lehrt sie Urteilsvermögen, nicht Aberglauben. Wenn sie von Zeichen oder Zufällen sprechen, lenkt sie mit hilfreichen Fragen: „Was fordert dich zur Veränderung auf?“ „Was zeigt es dir über dich selbst?“
Sei ein Beispiel für Wachstum. Die beste Hilfe besteht nicht darin, Vorträge zu halten, sondern darin, zu zeigen, dass auch du ständig lernst, dich veränderst und suchst.
Wenn Ihre Kinder zwischen 1980 und 1999 geboren wurden, sind sie vielleicht nicht „verloren“, sondern befinden sich in einem Integrationsprozess: Sie vereinen Vernunft und Spiritualität, Tradition und Wandel, Identität und Sinnfindung. Ihre Unterstützung, Ihr offenes Ohr und Ihre Geduld können die Brücke sein, die ihnen hilft, ihre Sensibilität in Stärke zu verwandeln und ein sinnvolles Leben zu finden.


