Die Nacht, in der John Wayne Hollywood mit fünf Worten zum Schweigen brachte, die sein Vermächtnis prägten
Als John Wayne im April 1979 die Oscar-Bühne betrat, erhob sich der gesamte Saal wie von einem einzigen Herzschlag empor. Der Duke war seit einem halben Jahrhundert Teil der Hollywood-Identität, doch dieser Auftritt wirkte anders – zerbrechlich, historisch, beinahe heilig. Nur drei Monate zuvor hatte er eine brutale, neunstündige Operation überstanden, bei der ihm nach einer Krebsdiagnose der gesamte Magen entfernt worden war. Schon einmal, 1964, hatte er Lungenkrebs besiegt und dabei einen Lungenflügel und mehrere Rippen verloren. Nun, mit 72 Jahren, abgemagert und geschwächt, aber entschlossen, erschien er im Dorothy Chandler Pavilion, weil er sich weigerte, sein letztes Kapitel im Leben von einer Krankheit bestimmen zu lassen.
Als er die Bühne betrat, brandete tosender Applaus durch das Theater – stürmisch, dankbar, ungezügelt. Hollywood hatte oft mit ihm gestritten, immer wieder mit ihm debattiert, ihn aber stets respektiert. Als der Applaus schließlich abebbte, beugte sich Wayne zum Mikrofon, die Augen funkelten mit dem alten schelmischen Charme, der ihn zur Ikone gemacht hatte. „Das ist so ziemlich die einzige Medizin, die ein Mann jemals brauchen könnte“, sagte er. Fünf einfache Worte – die einzige Medizin, die ich brauche – brachten Zyniker, Kritiker und sogar jene zum Schweigen, die sich ihm jahrzehntelang widersetzt hatten. In diesem Augenblick war Wayne nicht mehr nur ein Filmstar; er war ein Symbol für Ausdauer, Humor und unerschütterlichen Mut.
Anschließend präsentierte er die Nominierten für den Besten Film und scherzte, dass er und der Oscar beide 1928 in Hollywood angekommen seien – „etwas mitgenommen, aber immer noch da“. Das Publikum lachte, doch die Wahrheit war unbestreitbar: Wayne kämpfte einen Kampf, von dem er wusste, dass er ihn vielleicht nicht gewinnen würde. Dennoch stand er da, die Schultern gerade, die Stimme fest, und schenkte Hollywood einen letzten Moment des Cowboys, des Soldaten, des Helden, den er so oft verkörpert hatte. Als „Die durch die Hölle gehen“ gewann, überreichte Wayne die Trophäe mit Würde, umgeben von einer Energie, die spürbar machte, dass jeder Anwesende begriff, Zeuge eines letzten Augenblicks zu sein.
So war es. Elf Tage später wurde er erneut ins Krankenhaus eingeliefert, und innerhalb weniger Wochen war der beliebteste Cowboy der Welt nicht mehr da. Doch sein letzter Oscar-Moment – der gebrechliche Mann mit dem eisernen Willen, der den Applaus als seine Medizin entgegennahm – wurde zu einem der meistgesehenen und beliebtesten Ausschnitte in der Geschichte der Academy Awards. Waynes Vermächtnis lebte nicht nur in seinen Filmen weiter, sondern auch im John Wayne Cancer Institute, das nach seinem Tod gegründet wurde, um anderen im Kampf gegen die Krankheit zu helfen, die ihn dahinraffte. Selbst Jahrzehnte später hallt dieser Moment von 1979 noch nach: eine Erinnerung daran, dass wahre Stärke nicht Unbesiegbarkeit bedeutet – sondern die Fähigkeit, auch dann aufrecht zu bleiben, wenn das Leben einem den Atem raubt.

