
Wenn man an ein Bullauge denkt, stellt man sich wahrscheinlich ein kleines rundes Fenster an einem Schiff oder Flugzeug vor, richtig? Nun, seien Sie gewarnt: Bullaugen werden auch bei Kühen eingesetzt. Ja, bei Kühen. Seit Jahrzehnten implantieren Landwirte und Wissenschaftler Kühen Bullaugen – oder Kanülen –, um Zugang zu ihren Mägen zu erhalten .
Diese Praxis besteht seit fast einem Jahrhundert, und obwohl sie der breiten Öffentlichkeit nicht allgemein bekannt ist, spielt sie eine entscheidende Rolle…
Was genau sind Kuh-Bullaugen?
Eine kanülierte Kuh – auch fistulierte Kuh genannt – ist eine Kuh, der operativ eine spezielle Vorrichtung, eine sogenannte Kanüle, in die Seite eingesetzt wurde. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um eine chirurgische Öffnung in der Magenwand der Kuh.
Man kann es sich wie ein kleines, abgedichtetes „Bullauge“ vorstellen, das typischerweise mit einem Kunststoffring abgedichtet ist.
Warum sollte jemand so etwas tun? Hauptsächlich für Forschungs- und Veterinärzwecke.
Mit diesem Versuchsaufbau können Wissenschaftler die Verdauung, die Futterverwertung und sogar die Verarbeitung verschiedener Futtermittel durch Kühe untersuchen, ohne das Tier wiederholt sedieren oder operieren zu müssen. Klingt ziemlich verrückt, oder?
Praxis, die bis in die 1920er Jahre zurückreicht
Die Praxis, Bullaugen in Kühe einzubauen, wurde erstmals 1928 von Arthur Frederick Schalk und RS Amadon vom North Dakota Agricultural College dokumentiert.
Forscher begannen ursprünglich, Bullaugen einzusetzen, um die Verdauung von Kühen genauer zu untersuchen. Durch das Einführen eines Bullauges konnten sie auf einfache Weise Proben von teilweise verdautem Futter, Gasen und Mikroorganismen sammeln. Diese Methode lieferte Erkenntnisse darüber, wie Kühe Futter verarbeiten und wie sie effizienter gefüttert werden können.

Eine Studie aus dem Jahr 1939 mit kanülierten Kühen ergab beispielsweise, dass sich der pH-Wert im Pansen einer Kuh im Laufe des Tages verändert – er ist unmittelbar vor der Fütterung am alkalischsten.
Warum verwendet man Bullaugen bei Kühen?
Landwirte und Wissenschaftler nutzen Gucklöcher an Kühen, um die Verdauung und den allgemeinen Gesundheitszustand der Kühe zu untersuchen und zu verbessern.
Durch die Beobachtung der Futterverdauung bei Kühen können Futterpläne entwickelt werden, die die Milchproduktion steigern, das Wachstum fördern und sogar schädliche Emissionen wie Methan reduzieren. Diese Praxis zielt darauf ab, die Landwirtschaft nachhaltiger und produktiver zu gestalten.
Doch das ist noch nicht alles. Forscher behaupten, dass Kühe mit einem implantierten Glandula-Implantat nach der anfänglichen Genesungsphase ein langes und gesundes Leben führen können. Obwohl der Eingriff invasiv ist und Risiken birgt, argumentieren viele Wissenschaftler, dass die Kühe keine langfristigen Schmerzen erleiden und bis zu 15 Jahre alt werden.
Vor dem Eingriff muss die Kuh 24 Stunden lang fasten – sie darf weder fressen noch trinken. Während der Operation bleibt die Kuh stehen und ist wach; die Operationsstelle wird jedoch örtlich betäubt.
Ein Tierarzt führt dann operativ eine kleine Öffnung in die Flanke der Kuh ein und führt eine Gummikanüle ein, die wie ein Guckloch direkt in den Magen führt. Der gesamte Eingriff wird sorgfältig durchgeführt, um Stress und Schmerzen zu minimieren, dennoch ist die Methode höchst umstritten.
Ein Schritt zur Maximierung der Nahrungsmittelproduktion
Das übergeordnete Ziel hinter den Bullaugen ist klar: eine bessere Milchproduktion und eine nachhaltigere Landwirtschaft.
Durch ein besseres Verständnis der Kuhverdauung können Landwirte ihre Kühe umweltschonender füttern, beispielsweise durch die Reduzierung von Methanemissionen, die maßgeblich zum Klimawandel beitragen. Darüber hinaus könnte diese Forschung dazu beitragen, den Einsatz von Antibiotika überflüssig zu machen und die Milchproduktion sauberer und effizienter zu gestalten.
Aber ist das ethisch vertretbar?
Obwohl die Praxis klare Vorteile für Wissenschaft und Landwirtschaft bietet, ist sie nicht unumstritten. Tierschutzorganisationen wie L214 in Frankreich argumentieren, dass das Verfahren invasiv und unnötig sei.
Manche sehen darin sogar eine Form der Ausbeutung und beschreiben es als grausam und unfair gegenüber den betroffenen Tieren.
„Viele von ihnen leiden bereits unter Lahmheit, Infektionen, Lungen- oder Herzproblemen. Und anstatt diesen Teufelskreis zu durchbrechen, verschlimmern wir ihn immer weiter. Es ist höchste Zeit, dieses ungerechte System zu hinterfragen“, sagte L214 und veröffentlichte ein Video, das einen Forscher zeigt, der seine Hand in ein Bullauge steckt.
Infolgedessen wurden Forderungen laut, diese Praxis zu beenden, und in verschiedenen Ländern kursieren Petitionen, die ein endgültiges Verbot von Kuhgleitlöchern fordern.

Die Tierrechtsorganisation PETA kritisierte die Kanülierung von Kühen und wies darauf hin, dass der Eingriff eine Erholungszeit von vier bis sechs Wochen erfordere – etwas, das ihrer Ansicht nach nicht immer im besten Interesse des Tieres liege.
Die Gruppe argumentiert, dass das Verfahren nicht nur invasiv, sondern grundlegend falsch sei, und erklärt: „Kühe sind intelligente und sensible Tiere, die es aus keinem Grund verdienen, verstümmelt zu werden.“
Laut PETA: „Während einige behaupten, dass diese Umsiedlung die Gesundheit der Kühe verbessern kann, scheint das Verfahren in erster Linie den Gewinnen der Fleisch- und Milchindustrie zu dienen – die Futterversorgung und Verdauung von Tieren zu optimieren, die letztendlich ausgebeutet und geschlachtet werden.“
Alternativen zu Bullaugen
Mit dem technologischen Fortschritt gibt es Alternativen zur Verwendung von Bullaugen zur Untersuchung der Verdauung. Es werden neue Labormodelle entwickelt, die das Verdauungssystem der Kuh simulieren.
Diese Modelle ahmen die Pansenumgebung nach und liefern Erkenntnisse, ohne dass ein lebendes Tier benötigt wird. Viele Forscher sind jedoch der Ansicht, dass der direkte Zugang zu einer lebenden Kuh immer noch Daten liefert, die Labormodelle nicht reproduzieren können.
Bullaugen im Bild – und Gegenreaktionen
In manchen Ländern werden Kühe mit Gucklöchern sogar auf Landwirtschaftsmessen ausgestellt. Besucher können diese Kühe aus nächster Nähe beobachten und sogar in ihre Mägen greifen, um den Verdauungsprozess hautnah mitzuerleben.
Diese Demonstrationen sollen die Öffentlichkeit aufklären, haben aber Empörung und Proteste ausgelöst. Viele fragen sich, ob solche Aktionen notwendig sind oder einfach nur Ausbeutung darstellen.
In Nordamerika halten einige veterinärmedizinische Fakultäten, Großtierkliniken und landwirtschaftliche Betriebe gesunde Kühe mit Pansenöffnungen als lebende Spender für eine sogenannte „Mikrobiota-Transplantation“. Vereinfacht gesagt, entnehmen Tierärzte der Kuh etwas Panseninhalt (voller nützlicher Mikroorganismen) und verabreichen ihn einer kranken Kuh, deren Verdauungssystem nicht richtig funktioniert. Dieses Verfahren nennt sich Transfaunation und ist vergleichbar mit einem Neustart der Darmgesundheit von Kühen.

Doch jenseits des Atlantiks wird die Sache ganz anders gehandhabt. In Europa gilt das chirurgische Einsetzen eines Bullauges in eine Kuh weithin als unethisch.
Stattdessen verwenden Tierärzte einen langen, flexiblen Schlauch mit einer Metallfilterspitze – ähnlich einem riesigen Strohhalm –, um Magenflüssigkeit abzusaugen. Dieses Instrument wird der Kuh durch den Rachen in den Magen eingeführt, und so können sie in der Regel bis zu fünf Liter Flüssigkeit gewinnen. Es ist weniger invasiv, aber manche behaupten, es sei nicht so effektiv.
Tierschutz vs. landwirtschaftlicher Fortschritt
Der Einsatz von Bullaugen bei Kühen wirft eine umfassendere Debatte über Tierschutz in der Landwirtschaft auf. Befürworter argumentieren, dass diese Forschung die Tiergesundheit und Nachhaltigkeit verbessert, während Kritiker behaupten, dass sie industrielle Gewinne über das Wohl der Tiere stellt. Die Kontroverse wird wohl nicht so schnell beigelegt werden, insbesondere da immer mehr Menschen von dieser Praxis erfahren.
Was meint ihr? Sollten wir weiterhin Bullaugen an Kühen für Forschungszwecke verwenden oder ist es Zeit für einen ethischeren Ansatz? Teilt uns eure Meinung in den Kommentaren auf Facebook mit!




