Der Berg bewegte sich nicht einfach. Er verschlang sie.
Tagelang warteten die Familien mit stummen Telefonen, während sich Rettungskräfte in der Nähe von Lillooet in British Columbia durch Schlamm, Geröll und zerstörte Straßen kämpften. Hoffnung flackerte auf, zerbrach dann aber. Als die RCMP endlich Neuigkeiten verkündete, war die Wahrheit schwerer als der Erdrutsch selbst. Drei Männer. Eine Katastrophe. Und eine Provinz, die sich fragen muss, wie…
Im Chaos jenes Novembersturms wurde die Landstraße bei Lillooet zur Falle. Eine Schlamm- und Gerölllawine raste den Hang hinab und riss in Sekundenschnelle alles mit sich. Fahrzeuge verschwanden. Der Funkkontakt brach ab. Für die Suchtrupps verwandelte sich die Landschaft in einen Friedhof aus instabilem Untergrund, kaltem Regen und schwindendem Tageslicht. Familien klammerten sich an jeden noch so kleinen Informationsfetzen, jede Stunde wurde zu einem persönlichen Albtraum.
Als die Leichen der drei Männer endlich geborgen wurden, lastete die Nachricht der obersten Gerichtsmedizinerin von British Columbia, Lisa Lapointe, schwer wie die Erinnerung an jeden unbeantworteten Anruf und jeden leeren Stuhl zu Hause. Die Nachricht brachte weniger Erleichterung als vielmehr eine harte, unerbittliche Wahrheit: Die Gewalt der Natur hatte dort keine Überlebenden zurückgelassen. In der Folge wurde British Columbia schmerzlich bewusst, wie zerbrechlich die Bergstraßen sind – und wie schnell eine gewöhnliche Reise zum Tode führen kann.



